Foto: Darryl Levine
Heute, am 16. Oktober, wurde im kanadischen Côte Saint-Luc eine Gedenktafel zu Ehren von Boris Nemzow enthüllt. Sie befindet sich auf dem Menschenrechtsweg im Pierre-Elliott-Trudeau-Park. Die Stadt Côte Saint-Luc richtete die Gedenkfeier gemeinsam mit dem Raoul Wallenberg Centre for Human Rights aus.
Schanna Nemzowa konnte nicht persönlich teilnehmen. Ihre Grußbotschaft wurde bei der Enthüllung verlesen. Wir veröffentlichen sie hier im Wortlaut.
Zunächst möchte ich der Stadt Côte Saint-Luc, Irwin Cotler und allen danken, die die heutige Enthüllung dieser Gedenktafel ermöglicht haben. Leider konnte ich heute nicht persönlich an der offiziellen Zeremonie teilnehmen. Ich hoffe jedoch, dass ich künftig die Gelegenheit haben werde, Côte Saint-Luc zu besuchen.
Wenn ich heute an meinen Vater denke und daran, dass weltweit Plätze, Straßen und Parks nach ihm benannt werden, muss ich auch an den ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy denken, dessen Andenken ebenfalls auf der ganzen Welt bewahrt wird.
Diese beiden Politiker verbindet mehr als die Tatsache, dass die Erinnerung an sie weit über die Grenzen der Länder hinaus lebendig bleibt, in denen sie gelebt und gewirkt haben. Auch ihre Persönlichkeiten weisen Gemeinsamkeiten auf. Beide waren jung, voller Energie und charismatisch. Beide verkörperten die Hoffnung auf einen politischen Aufbruch, und beide wurden in verhältnismäßig jungen Jahren ermordet.
Natürlich unterschieden sich die Umstände und die politischen Hintergründe ihrer Ermordung ebenso stark wie die historischen Epochen, in denen sie lebten. Dennoch bleibt in beiden Fällen dieselbe Frage, die uns nicht loslässt: Wie hätte ihr politischer Weg weiterführen können, wenn ihr Leben nicht gewaltsam beendet worden wäre?
Nach der Ermordung meines Vaters fragten sich viele Menschen, ob Russland einen völlig anderen Weg eingeschlagen hätte, wenn er Präsident geworden wäre – einen Weg ohne Krieg gegen die Ukraine und ohne Diktatur im eigenen Land. Ich bin fest davon überzeugt, dass es so gewesen wäre.
Und doch glaube ich, dass allein die Tatsache, dass Russland Politiker wie meinen Vater und Alexej Nawalny hervorgebracht hat, uns hoffen lässt, dass Veränderung möglich ist.
Ich danke Ihnen allen noch einmal von Herzen.